Gentechnik ermöglicht individuelle Medikation
In 20 bis 40 Prozent der Fälle werden falsche Medikamente verschrieben
15.07. Es geht um Themen wie Genomics, Proteonomics oder gar Transcriptomics auszutauschen. Für den Laien sind dies allesamt kryptische Bezeichnungen, die aber letztlich alle das Gleiche meinen: Ziel der Forschung ist es, eine "personalisierte Medizin" zu entwickeln, mit maßgeschneiderten Medikamenten für eine individuelle Therapie des Patienten.

"20 bis 40 Prozent aller Patienten werden mit den falschen Medikamenten behandelt". Bisher würde ein Arzt eine phänotypische Diagnose und Behandlung anbieten, die sich in Zukunft zum Beispiel durch eine Analyse der Gene verbessern ließe. Der Genchip sei dabei ein wichtiges Werkzeug, mit dem sich zum einen Veranlagungen für bestimmte Krankheiten, aber auch Unterschiede im Stoffwechsel erkennen lassen. "Der Körper kann völlig unterschiedlich auf einen Wirkstoff reagieren". Entsprechend müsste zum Beispiel die Dosis für einen Patienten verändert werden.

Der Cholesterinsenker Lipobay des Leverkusener Pharmakonzerns Bayer sei dabei nur eines von mehreren Medikamenten, die von den Herstellern in jüngster Zeit wieder vom Markt genommen wurden. "Wir wissen nicht, wie viele Substanzen auf dem Markt sind, die unter anderen Umständen vielleicht gar nicht zugelassen worden wären". Aber auch für die Zukunft erwartet man nicht, dass selbst durch ausgeweitete klinische Studien derart seltene Effekte wie bei Lipobay und den anderen Cholesterinsenkern aus der Gruppe der so genannten Statine vorab abzuklären seien. Und ob die moderne Pharmacogenomics mit ihren neuen Testmöglichkeiten die Gefahren von Lipobay vielleicht erkannt hätte, lasse sich heute nicht beantworten, erklärt Werner Kroll, Leiter der Abteilung für Pharmacogenomics bei Bayer.

Diese Technologie sei vor allem darauf ausgelegt, gewollte Wirkungen zu finden, statt ungewollte Nebenwirkungen auszuschließen. "Das Medikament wurde außerdem zu einer anderen Zeit entwickelt, und die seltenen Nebenwirkungen, die auch bei anderen Statinen auftreten, waren durchaus bekannt", so Kroll. Auch trotz Genforschung werde zukünftig ein Risiko durch eine Behandlung bestehen bleiben. Die Voraussagen würden aber präziser, doch auch anhand der Erbinformationen könne man niemals Schwarz-oder-Weiß-Aussagen treffen, ob eine Person eine bestimmte Krankheit bekomme oder nicht. Die Medizin der Zukunft baut auf eine Graustufendiagnose mit einer darauf entsprechend abgestimmten Therapie. "Die Gene allein sagen uns überhaupt nichts, auch die Anzahl ist letztlich unerheblich. Entscheidend sind die Wechselwirkungen von Erbinformationen und Proteinen."


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