Eine Drüse mit vielen Aufgaben
19.02. Viele Menschen haben Probleme mit der Schilddrüse. Dass zahlreiche Beschwerden hier ihre Ursache haben, wissen die Betroffenen aber nicht.

Heiserkeit, Schluckbeschwerden, ein Fremdkörpergefühl im Hals oder das Gefühl von Druck und Enge - all diese Symptome können auf eine Vergrößerung der Schilddrüse hindeuten. Im Rahmen der Papillon-Studie wurden fast 100 000 Menschen an der Schilddrüse untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, dass etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung eine Vergrößerung der Schilddrüse, Knoten auf der Schilddrüse oder beide Veränderungen hat. Somit ist eine Schilddrüsenerkrankung die Drüsenkrankheit Nummer eins in Deutschland, noch häufiger als Diabetes.

Pro Jahr werden 100 000 Operationen und 90 000 Jodtherapien zur Verkleinerung der Schilddrüse vorgenommen. Doch die wenigsten Betroffenen wissen etwas von ihrer Erkrankung. "Meistens kommt es durch einen Zufall, etwa bei der jährlichen Gesundheitsüberprüfung durch den Hausarzt, an den Tag", weiß Nuklearmediziner Dr. Lutz Freudenberg aus seinem Praxisalltag. Kinder erkranken nur selten an der Schilddrüse. Bei ihnen liegt als Grund meistens eine angeborene Stoffwechselerkrankung vor. Ansonsten gibt es nur einen Grund, warum die Schilddrüse erkrankt - Jodmangel.

Funktion der Drüse ist es, lebenswichtige Hormone zu bilden, die in fast allen Körperzellen den Energiestoffwechsel steuern. Die Hormone sind zum Beispiel an der Regulierung von Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und der Verdauung beteiligt.

Um die Hormone bilden zu können, benötigt die Schilddrüse Jod, das sie dem Blut entnimmt. Ist nicht genug Jod vorhanden, versucht die Drüse, durch eine Organvergrößerung ihre Arbeitsleistung aufrecht zu erhalten. Dabei können sich Knoten entwickeln.

Ein erster zuverlässiger Test lässt sich beim Hausarzt durch eine Blutabnahme durchführen. Vergrößerungen kann der Hausarzt ertasten und Knoten auf dem Ultraschallbild erkennen. Wenn die Größe des Knotens mehr als einen Zentimeter beträgt, ist eine Szintigrafie angeraten. Dazu wird in einer Röntgenpraxis mit Nuklearabteilung eine radioaktive Substanz in kleinsten Dosen gespritzt. Diese Substanz wandert in die aktiven Schilddrüsenzellen. Mit einer speziellen Kamera (Gammakamera) lässt sich so der Schilddrüsenstoffwechsel messen.

Bei den Erkrankungen, die weder mit Jodtabletten oder Hormonpräparaten behandelt werden können, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen die Operation unter Vollnarkose, zum anderen die Radiojodtherapie.

"Die Radiojodtherapie ist eine gute Alternative zur Operation, weil sie nicht so belastend ist". Drei bis sieben Tage müssen die Patienten abgeschirmt von der Aussenwelt auf der Station bleiben. In dieser Zeit schlucken sie Kapseln mit radioaktivem Jod. Die Knoten werden auf diese Weise verödet.

Jedoch haben viele Patienten große Bedenken vor dieser Therapie. "Die Leute haben Angst, wenn sie das Wort Radioaktivität hören. Sie denken dann an Verstrahlung". Diese Bedenken sind jedoch aus professioneller Sicht nicht nachvollziehbar. "Diese Methode wird seit 50 Jahren angewandt. In dieser ganzen Zeit gab es keine Auffälligkeiten oder bösartigen Folgeerkrankungen."

Da Freudenberg die Ängste der Patienten sehr ernst nimmt, hat er eine Studie zur Einstellung gegenüber Radioaktivität im Allgemeinen und zur Radiojodtherapie im Besonderen durchgeführt. Nur wenn man die Ängste der Patienten kenne, biete das die Möglichkeit zu einem optimalen Aufklärungsgespräch, so Freudenberg. Der Nuklearmediziner hat seine Studie jetzt unter dem Titel "Radioaktivität ist böse" veröffentlicht und dafür den Hanns-Langendorf-Preis erhalten.

Um den Patienten die Ungefährlichkeit der Radiojodtherapie vor Augen zu führen, hat Freudenberg sie in Relation zu anderen Risiken des täglichen Lebens gesetzt: "Wenn man von einer normalen Lebenserwartung ausgeht, verkürzt diese Therapie das Leben um 0,08 Tage, ein 20-prozentiges Übergewicht dagegen um 900 Tage und Rauchen sogar um 2250 Tage."


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