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  Die Radiojodbehandlung wird mit Jod-131 durchgeführt. Das radioaktive Jod-131 verhält sich wie das natürliche, stabile (nichtradioaktive) Jod-127.
Radioaktives Jod-131 sendet beta-Strahlen aus, das sind schnelle Elektronen, die im Gewebe eine Reichweite von 0,5 bis 2 mm haben. Dadurch ist die Wirkung sehr gezielt und auf das speichernde Gewebe - d.h. das Gewebe mit der Überfunktion - begrenzt, da nur hier Konzentrationen erreicht werden, die zur Gewebsschädigung führen. Ein weiterer Strahlungsanteil, sog. gamma-Strahlen, machen nur etwa 10% der gesamten radioaktiven Strahlung von Jod-131 aus, sind aber ausreichend, um ein Bild der Strahlungsverteilung der Schilddrüse oder des Körpers zu machen (sog. Szintigraphie).

Verschiedene Einflußfaktoren bestimmen die Wirkung von radioaktivem Jod-131 auf das zu behandelnde Schilddrüsengewebe:
Die verabreichte Menge an radioaktivem Jod (Aktivität, gemessen in MBq = Mega-Becquerel oder - veraltet - in mCi = Milli-Curie);
Die maximale Aufnahme in das zu bestrahlende Gewebsareal;
Die Verweildauer innerhalb des zu bestrahlenden Gewebes (gemessen als sog. effektive Halbwertszeit);
Die gewünschte Bestrahlungsmenge (sog. Herddosis), die für bestimmte Erkrankungen vorgegeben wird (z.B. überfunktionierender Knoten -> 400 Gray (Gy), Basedow-Erkrankung -> 250 Gy, ...);

Um die erforderliche Menge an radioaktivem Jod-131 zur Behandlung abschätzen zu können, wird vor der Behandlung ein sog. Radiojodspeichertest durchgeführt. Nach Gabe einer Testdosis radioaktiven Jods kann in der Folgezeit (je nach Protokoll über 2 bis 7 Tage) das Speicherverhalten ermittelt und die Therapieaktivität festgelegt werden.

Da solche Testmessungen am biologischen System Mensch nur mit mäßiger Genauigkeit möglich sind, wird während der eigentlichen Radiojodtherapie ebenfalls das Speicherverhalten ermittelt. Sofern ein unzureichender Effekt (unzureichende Herddosis) im zu bestrahlenden Gewebe nachgewiesen wird, erfolgt ggf. ein Nachschluck bei anfangs nicht ausreichender Jodmenge.

Um die Ungenauigkeiten des Radiojodspeichertests bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen zu umgehen, kann alternativ nach individueller Berechnung eine anfängliche Therapiedosis, die eine maximale Gewebsaufnahme annimmt, festgelegt und verabreicht werden. Die Bestimmung des Speicherverhaltens unter Therapie kann dann direkt zur ggf. erforderlichen Nachdosierung verwendet werden. Kinder werden in der Regel nicht radiojod-behandelt. Eine feste Altersgrenze gibt es jedoch nicht.

Es kann heute als gesichert gelten, dass die Risiken einer Radiojodtherapie deutlich unter denen einer Operation liegen.
Die Strahlung, der der Körpers (außer der zu behandelnden Schilddrüse) ausgesetzt wird, liegt bei einer mittleren Radiojodmenge - im Bereich einer Röntgenuntersuchung von beispielsweise Magen und Darm.
Eine Radiojodtherapie darf während einer Schwangerschaft oder während der Stillzeit nicht durchgeführt werden, da - neben grundsätzlichen Strahlenschutz-Überlegungen - hier die hohe Gefahr der Schädigung der kindlichen Schilddrüse bestehen würde und - insbesondere in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft - die theoretische Gefahr einer Krebsauslösung besteht. Außerdem sollte eine Schwangerschaft innerhalb der ersten 6 Monate nach einer Radiojodtherapie vermieden werden.

Eine Radiojodtherapie sollte im allgemeinen durchgeführt werden bei:
- Basedow-Erkrankung (Autoimmunhyperthyreose), insbesondere wenn eine Schilddrüsenüberfunktion nach erster medikamentöser Behandlung wieder auftritt;
- erneutes Auftreten einer Schilddrüsenüberfunktion nach Schilddrüsenoperation.
Eine Radiojodtherapie darf nicht durchgeführt werden bei:
- Schwangerschaft, Stillzeit;
- dringender Verdacht auf bösartige Schilddrüsenerkrankung,
- Kinderwunsch innerhalb sechs Monate nach Radijodtherapie,
- starker Schilddrüsenüberfunktion.
Eine Radiojodtherapie sollte nicht durchgeführt werden bei:
- Kindern und Jugendlichen,
- Sehr starker Schilddrüsenvergrößerung,
- Einengungserscheinungen von Luft- oder Speiseröhre.

Die Radiojodbehandlung von Schilddrüsenkrebs weist einige Besonderheiten auf und ist daher an anderer Stelle beschrieben.
Aber, so kann man sich nun fragen, wenn die Radiojodtherapie so wenig Nebenwirkungen hat und so ungefährlich ist, wozu dann dieser Aufwand und die Isolierung des Patienten? Dies ist im wesentlichen durch grundsätzliche Überlegungen zum Strahlenschutz erklärbar: Einer radioaktiven Strahlung, von der EIN Patient durch eine medizinische Maßnahme einen Nutzen hat, sollen nicht andere ausgesetzt sein. Da radioaktives Jod über Körperausscheidungen abgegeben wird, ist zu vermeiden, dass andere damit in Berührung kommen.
 
  Hier finden Sie mehr: 
  Ablauf der Radiojodbehandlung 
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